Ziel eines von Thomas T. Müller, Leiter des Zweckverbands der Mühlhäuser Museen, initiierten Forschungsprojekts ist es, durch eine repräsentative Bestandsaufnahme von Sachzeugnissen vorreformatorischer Alltagsreligion aus dem mitteldeutschen Raum und deren kontextueller Dokumentation die in dieser Region weitgehend vergessene religiöse Lebenswelt des späten Mittelalters wieder zu entdecken. Die Phänomene spätmittelalterlicher Frömmigkeit sollen dabei als eine das gesamte Leben der Gesellschaft integrierende Wirklichkeit verstanden werden. Im Rahmen des Projekts führt der Bearbeiter, Dr. Hartmut Kühne, umfangreiche Recherchearbeiten in den Inventaren, Katalogen und Sammlungsbeständen mittlerer und kleiner Museen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durch. Der Fokus ist dabei nicht auf die traditionellen musealen Sammlungsraster gerichtet, sondern zielt darauf, die Funktion von Objekten in bestimmten Lebenskontexten zu verorten und ihre religiösen Aspekte sichtbar zu machen.
Adressaten:
Allgemeinbildende Schule,
Erwachsenenbildung
Sachgebiete:
- Geschichte -> Epochen -> Mittelalterliche Geschichte -> Kaiser, Kirche, Reich
- Geschichte -> Landes- und Regionalgeschichte
- Geschichte -> Geschichtliche Überblicke -> Formen der Weltauffassung, Religion
- Religion
Produzent Wissenschaftliche Projektleitung: Thomas T. Müller
Projektleitung des Films: Dr. Hartmut Kühne
Redaktion: Susanne Decker
Kamera: Jens Olaf Herz
Schnitt: Martin Pogac, Klaus Hernitschek
Projektmitarbeiter / Film-Darsteller: Prof. Dr. Enno Bünz, Ulrike Dura, Jens Olaf Herz, Dr. Hartmut Kühne, Dr. Johannes Mötsch, Thomas T. Müller, Doris Mundus, Dr. Christian Philipsen, Prof. Dr. Matthias Puhle, Dr. Volker Rodekamp, Dr. Ulrike Theißen
Weitere Darsteller im Film: Dr. Thomas Bauer, Beate Götte, Thomas Groll, Martin Günther, Dr. Matthias Hüls, Prof. Dr. em. Bernd Moeller, Dr. Peter Pieper, Dr. Michael Scholl , Thomas Spata, Dr. Falk Walther, Falk Schulze
Gesamtkonzeption: Gisela Graichen und Peter Prestel
Inhalt Episode 1: Der Funke im Pulverfass? Die Forschungsreise führt nach Mitteldeutschland - in das Mutterland der Reformation. Doch wie lebten die Menschen davor ihre Religiosität und Frömmigkeit aus? Waren Sie tiefkatholisch, wie woanders auch? Konvertierten sie im Nachklang von Martin Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg, weil sie nach Skandalen und Krisen der katholischen Kirche den Glauben an sie verloren hatten? Fragen, die auch Dr. Hartmut Kühne stellt, der sich auf die Suche nach Spuren der Alltagsfrömmigkeit im Spätmittelalter macht.
Episode 2: Überbrückungsgeld Pilger im Mittelalter mussten auf ihren Wallfahrten oft schwierige Passagen bewältigen, zum Beispiel reißende Flüsse überqueren. In den meisten Fällen waren sie dabei auf die Dienste eines Fährmanns angewiesen, denn Brückenbau war auch schon damals eine teure Angelegenheit. Das Geld dafür kam in vielen Fällen aus kirchlichen Spenden, wie Dr. Hartmut Kühne auf seiner Forschungsreise nach Torgau an der Elbe und Grimmenthal an der Werra herausfindet.
Episode 3: Auf Pilgerspuren Sie pilgerten quer durch das heutige Deutschland bis nach Santiago de Compostella - die Wallfahrer des Mittelalters. Doch wie sahen sie aus, wie waren sie gekleidet und was trugen sie bei sich? Der Kirchenhistoriker Dr. Hartmut Kühne sucht nach Antworten in den Kirchen Nord- und Südthüringens. Plaketten aus Blei und Zinn sowie alte schwere Kirchenglocken gegen vielsagende Hinweise.
Episode 4: Wunder und Votive Die Suche nach Zeugnissen spätmittelalterlicher Frömmigkeit führt diesmal über Thüringen hinaus nach Sachsen und Sachsen-Anhalt. Viele Kirchen dort beherbergen bis heute Votivgaben, die Gläubige einst zum Dank für erfolgte Wunder spendeten. Diese symbolischen Dankopfer für Heilung oder Rettung aus Notsituationen werden oft missverstanden. Dr. Hartmut Kühne findet für alte Kleider, Schiffsmodelle oder Holzfiguren in Kirchen neue Erklärungen.
Episode 5: Bewegte Bilder Die Menschen im Mittelalter kannten in der Regel nur eine Christusdarstellung: den gekreuzigten Jesus, meist an Kirchenmauer fixiert und statisch. Es gab aber auch liturgische Inszenierungen, in denen sich Christus "bewegt". Dr. Hartmut Kühne entdeckt in verschiedenen Kirchen in Erfurt, Chemnitz, Döbeln oder Zwickau unter anderem den Mirakelmann sowie den sogenannten Auffahrtschristus.
Episode 6: Das Generalinterview Im Generalinterview beantworten Thomas T. Müller, Prof. Dr. Enno Bünz und Dr. Hartmut Kühne Fragen zu Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation.
Episode 7: Das Umfeld Die Reformation war nicht Folge einer einschneidenden Kirchen- oder gar Glaubenskrise, so die These der Forschergruppe um Thomas T. Müller, Dr. Hartmut Kühne und Prof. Dr. Enno Bünz. Das Gegenteil war der Fall.
Episode 8: Das Schlüsselstück Eine mumifizierte Hand in einem Holzkästchen, versteckt im Mauerwerk einer Kirche. Entdeckt wurde sie zufällig vor mehr als siebzig Jahren beim Abriss eines Kirchenschiffs. Erste Vermutungen deuten darauf hin, dass die Hand einst einem Straftäter als Sühnemaßnahme abgeschlagen worden ist. Der Kirchenhistoriker Dr. Hartmut Kühne hat Zweifel an dieser Deutung. Er kommt zu einem anderen Befund, der die mumifizierte Hand zu einem Schlüsselstück seiner Forschungsarbeit werden lässt.
Episode 9: Das Team In der letzten Episode werden Thomas T. Müller, Dr. Hartmut Kühne, Jens Olaf Herz, Dr. Johannes Mötsch, Prof. Dr. Enno Bünz, Dr. Christian Philipsen, Doris Mundus und Dr. Ulrike Theisen näher vorgestellt.
Serienbeschreibung Die Serie beinhaltet Filmproduktionen der Gerda Henkel Stiftung jeweils in deutscher und englischer Sprachversion. Weitere Beiträge und Videos sind auf L.I.S.A., dem Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, zu finden (siehe externer Link). L.I.S.A. nimmt mit seinem Akronym die zentralen Möglichkeiten des Portals auf: Lesen, Informieren, Schreiben und Austauschen. Nicht zuletzt erinnert L.I.S.A. an die Gründerin der Gerda Henkel Stiftung Lisa Maskell, die 1976 zum Gedenken an ihre Mutter Gerda Henkel die Stiftung ins Leben rief. L.I.S.A. ist somit fest in der Tradition der Stiftung verankert, und wird gleichzeitig aktuellen und zukünftigen Forschungsbedürfnissen gerecht.